Hybris
HYBRIS ist eine kunstbasierte Forschungsinitiative von Yana Zschiedrich, die seit 2019 die Transformation von Abfall, Körpern und Natur durch biologische und technologische Prozesse untersucht. Im Mittelpunkt stehen spekulative Materialsysteme, künstlerische Objekte und alternative Baustoffe aus wiederverwendeten Ressourcen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Mehlwürmern, die Polystyrol zersetzen und so zur Entwicklung neuer Materialien beitragen. Darüber hinaus beschäftigt sich HYBRIS mit Anthropozentrismus, Körperpolitik, Ökofeminismus und zukünftigen Formen des Zusammenlebens zwischen Menschen und mehr-als-menschlichen Akteuren. Das Projekt verbindet künstlerische Praxis, Materialforschung, Technologie und spekulative Erzählungen.
Yana Zschiedrich arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Materialforschung und spekulativer Praxis. Mit HYBRIS untersucht sie ökologische, feministische und technologische Fragestellungen sowie die Beziehungen zwischen Menschen, Umwelt und Material. Ihre Arbeiten verbinden Materialexperimente, Installation, Video und spekulative Erzählungen mit Themen wie Kontrolle, Sichtbarkeit, Transformation und zukünftigen Formen des Zusammenlebens.
yana.zschiedrich@gmail.com
@yanazschiedrich
10/2026
Universal Cube Berlin, D-Berlin, cute apocalypse of the extended self, group-show
07-08/2026
Spoiler Zone, GER-Berlin, Creeper – das Rollbrett, group-show
07/2026
Werkleitz Festival 2026, D-Halle (Saale), Früher oder Später, group-show
06/2026
futureSAX, D-Dresden, Sächsische Innovationskonferenz, Ausstellung
05-06/2026
Kunstraum Ortloff, D-Leipzig, train of thought, solo-show
04/2026
WERKSCHAU, Spinnereirundgang Baumwollspinnerei, D-Leipzig, Present Collective II: Umbrüche. Impulse aus Mitteldeutschland, group-show
11/2025
BCMA, D-Berlin, Running On Empty, Kuratorin (gemeinsam mit Joachim Blank)
11/2025
FUNKEN Akademie, D-Chemnitz, COMMON MATTER, group-show
06/2025
KunstvereinGRAZ, D-Regensburg, duo-show
05/2025
Sayner Hütte, D-Bendorf, INTO. Ein Festival künstlerischer Positionen zum Thema Immersion, group-show
02/2025
GRASSI Museum für Angewandte Kunst, D-Leipzig, Rahmenprogramm zur Sonderausstellung „ZUKÜNFTE: Material und Design von Morgen", solo-show
09/2024
Techne Sphere, D-Leipzig, Why does the sun go on shining? Why do birds go on singing? Because they know it isn’t the end of the world, Meisterschüler:innen-Festival, solo-show
seit 05/2024
Futurium, D-Berlin, Themenjahr: Schätze der Zukunft, Permanent Exhibition
07/2023
Deutsches Museum, D-München, Festival der Zukunft, Group Show
05/2023
HilbertRaum, D-Berlin, Traffic Control, Group Show
12/2022
Studio12 Spinnerei, D-Leipzig, What We All Want, Group Show
04/2021–05/2021
Gr_und Galerie, D-Berlin, Non.Depleted, Group Show
09/2020
Westpol A.I.R.space, D-Leipzig, HYBRIS, Solo Show
11/2019 – 01/2020
a&o Kunsthalle, D-Leipzig, We All Should Be Lichens, Group Show
05/2019 – 06/2019
TAF Theartfoundation, GRC-Athen, HUMAN PARTICLES OF THE LIVING SUN, Group Show
06/2016
Contemporary Art Ruhr, D-Essen, Archive of no tomorrow, Group Show
SAMMLUNG
seit 05/2024
FUTURIUM gGmbH, D-Berlin
seit 10/2025
Hochschule für Grafik und Buchkunst, Klasse für Installation und Raum, D-Leipzig, Lehrauftrag
10/2026
Bauhaus-Universität Weimar, Gastvortrag „Insect-Inspired Design“ zu spekulativer Materialentwicklung im Bereich Bionik und Material-Driven Design
06/2026
GRASSI Museum für Angewandte Kunst, D-Leipzig, Grassi#Talk, Artist Talk
06/2025
Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., Das Ende der Einsamkeit – Der Podcast über Kunst und Kooperationen mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, D-Dresden, Podcast mit Yana Zschiedrich, der TU Chemnitz und der Funken Akademie
10/2025-11/2025
Funken Akademie & Technische Universität Chemnitz, D-Chemnitz, Workshop
06/2025
Funken Akademie, D-Chemnitz, Funken Night, Lecture-Performance
02/2025
GRASSI Museum für Angewandte Kunst, D-Leipzig, Rahmenprogramm zur Sonderausstellung „ZUKÜNFTE: Material und Design von Morgen", Artist Talk
11/2024
Bildungswerk BBK Berlin, D-Berlin, Workshop Klima und Nachhaltigkeit, Impulsgeberin
05/2024
Landesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen (LJKE Bayern), D-Nürnberg, Kreativlabor Workshop plan_los, Inspiratorin
10/2023
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, D-Halle Saale, Semesterprojekt insectmatter, Referentin
07/2023
Festival der Zukunft im Deutschen Museum, D-München, „Kunst und Innovation“, Speakerin
09/2018
Landesvereinigung Kulturelle Kinder und Jugendbildung (LKJ) Sachsen e. V., D-Leipzig, Workshop mit Studieninteressierten mit Abschlussausstellung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Workshopleitung
02/2026
Shortlisted, Falling Walls Science Breakthrough of the Year
10/2025
Artist in Residence, Forschungscluster MERGE der TU Chemnitz
06/2025
Nominierung für den „S+T+Arts Prize 2025“, Europäische Kommission / Ars Electronica
01/2025–06/2025
Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
11/2024
Gewinnerin des „VNGart Preis 2024“, Kunstpreis des Freundeskreises der Hochschule für Grafik und Buchkunst und der VNG-Stiftung.
07/2024–12/2024
Projektstipendium, artist residency Schloss Balmoral
09/2024
Gewinnerin des „WIRKMÄCHTIG Culture4Climate Preis 2024“, in der Kategorie Einzelperson, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, initiiert durch Kulturpolitische Gesellschaft e.V., Ökoinstitut e.V. und Netzwerk Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur
10/2021–06/2024
Landesgraduiertenförderung, Sächsisches Landesstipendium, Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus
2022
Gewinnerin Wettbewerb „Artist in Lab“ des Fraunhofer WKD
11/2020 & 12/2020
Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Rahmen des Programms „Denkzeit“
05/2014 –05/2015
AIT Stipendium 2014 der Sto-Stiftung
2026
Jahresmagazin No.15 „Kunst & Wirtschaft“, D-Dresden, publiziert vom Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V.
2025
Prix Ars Electronica 2025, ARS ELECTRONICA Art, Technology & Society, HATJE CANTZ
2025
FUNKEN KOLLEG, Ergebnisse künstlerisch-technologischer Kollaborationen im cross-sektoralen Dialog
2025
PAI_32 – Platform for Art Initiatives: HYBRIS by Yana Zschiedrich: Rethinking Waste into Wonder
2024
The Insect Project: Resilience Part I, herausgegeben und veröffentlicht von Mareike Gast. Publiziert im Rahmen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Halle (Saale)
2023
HYBRIS23, D-Leipzig, publiziert von Yana Zschiedrich & Fraunhofer WKD
2023
Jahresmagazin No.11, D-Dresden, publiziert vom Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V.
2021
HYBRIS20, D-Leipzig, publiziert von Yana Zschiedrich
2020
Human Particles of the Living Sun, D-Leipzig, HGB Leipzig, publiziert von Joachim Blank
2015
AIT Büro und Verwaltung · Office Buildings
2014
AIT Wohnen · Living
HYBRIS
Yana Zschiedrich
yana.zschiedrich@gmail.com
Heinrich-Heine-Straße-35
04178 Leipzig
Distaff Studio in Zusammenarbeit mit Jonas Holfeld
Yana Zschiedrich
Julius C. Schreiner
Marco Dirr
Sebastian Komnick
Gustav Franz
MERGE, TU Chemnitz
Brigita Kasperaitė
Corinna Wolff
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Investigation
HYBRIS:INSTAL-2026-01-A
Train of Thought
Soloausstellung, Kunstraum Ortloff Leipzig, Mai 2026.
entsteht aus einer Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Akteuren. Während die Arbeit auf der Zusammenarbeit mit Mehlwürmern basiert, hinterfragt sie gleichzeitig die Bedingungen dieser Zusammenarbeit. Wenn Verhalten durch Umweltbedingungen ohne den Einsatz direkter Gewalt beeinflusst werden kann, stellt dies dann Zusammenarbeit, Anleitung oder bereits eine Form der Kontrolle dar? Indem diese Prinzipien auf den menschlichen Körper übertragen werden, macht die Installation solche Mechanismen greifbar. Die Arbeit untersucht, wie Entscheidungen durch räumliche und materielle Bedingungen geprägt werden, und fragt, wie Formen des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit entstehen können, ohne bestehende Hierarchien und Kontrollmechanismen zu reproduzieren.
HYBRIS:INSTAL-2024-01
Why does the sun go on shining?
Why do birds go on singing?
Because they know it isn’t
the end of the world.
300 x 300 cm
EPS Dämmplatten, Stahlrohr
Maße variabel
EPS-Dämmplatten, Mehlwürmer, Temperatursensor, Steuerungssystem, verflüssigte Futterpaste, Inkubator, Luftzirkulationssystem, Acrylglas, Europaletten, Eurokisten
HYBRIS:R-MYTH-2021-2022-A
Hyb.R.Myth.2021.01
Relief im Prozess: Mehlwürmer fressen sich entlang einer Schablone in das Dämmmaterial. Die Fraßdauer variiert von Platte zu Platte. Rechts: fünf Tage, Mitte: zehn Tage, Links: noch unbearbeitet. Je länger die Fraßdauer, desto tiefer und ausgeprägter sind die Konturen.
[Die Entstehung dieses Werks wurde durch ein Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ermöglicht.]
Kontrolle, Läuterung und Transformation – auf Hybris folgt zwangsläufig Nemesis! Mehlwürmer werden zu Schöpferninnen von Reliefs, die von kraftvollen Racheakten weiblicher Protagonistinnen aus der griechischen Mythologie erzählen.
Nachbildung Sarkophag mit Darstellung der Amazonomachie, Achilles und Penthesilea, entstanden um 200.
Nemesis, die griechische Göttin der Vergeltung und des gerechten Zorns, sorgt für Ausgleich und Rache bei übermäßigem Stolz. Als Tochter der Nyx, der Göttin der Nacht, bestraft sie Hochmutige mit ihrem eisernen Zepter. Nemesis verkörpert Gerechtigkeit und das Streben nach Ausgleich in der griechischen Mythologie.
Nachbildung Athene, Gigantenfries des Pergamonaltars, 2.Jhd. v. Chr.
Abbildung Bildnis Medea auf Sarkophag, entdeckt in Rom, vor der Porta San Lorenzo (Porta Tiburtina), 1887.
Nachbildung „Persecution of Orestes“ des Malers Johann Gottfried Schadow
HYBRIS:R-2020-07-08
Die ersten bildhauerischen Ergebnisse geben Aufschluss über die Arbeitsweise der Larven. Während der Bearbeitung der Reliefs durch die Mehlwürmer werden verschiedene Parameter festgehalten, darunter Raumtemperatur, Futterzufuhr, Anzahl der Mehlwürmer in Kilogramm sowie Größe und Dicke der Platte.
Untere Platte, die 3 Wochen lang von einem Kilogramm Mehlwürmern bearbeitet wurde, im Vergleich zur oberen Platte, die lediglich 7 Tage lang bearbeitet wurde.
HYBRIS:INSTAL-2020-01
Bildhauerisches Labor und halbautomatisierte Zuchtmaschine, welche die Versorgung der Mehlwürmer sicherstellt.
„Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln“ (Popper, Karl)
Ein humanzentrisches Weltbild, die Verdammung der Natur und deren Kontrolle durch eine halbautomatisierte Maschine, die den bildhauerischen Akt von Mehlwürmern kontrolliert – Mehlwürmer, die Polystyrol-Dämmplatten formen und zersetzen und dabei eigentümlich amorphe Skulpturen sowie verdaute Rückstände hervorbringen.
Gepresste, eingeschweißte und vakuumierte Kotpellets.
Group
HYBRIS-R-L1-2024-01
CREEPER
SPOILER — Aktionsraum, Berlin, Germany
2026
Curated by Triin Metsla
With Josephine Baker, Sarah Doerfel, Kitty Florentine, Sophia Gatzkan, Lauren Gault, Eva Gold, Madlen Hirtentreu, Liina Leo, Charmaine Poh, Paola Siri Renard, and Yana Zschiedrich.
extrudiertes Objekt aus Bio-PLA, in Kooperation mit dem MERGE Forschungscluster der TU Chemnitz; gefördert durch FUNKEN Akademie, Freistaat Sachsen
In Zusammenarbeit mit dem MERGE-Cluster an der Technischen Universität Chemnitz entwickeltes Material. Gefördert durch die FUNKEN-Akademie (Freistaat Sachsen)
GEOBRIS TERRA TENEBRIS, 2024
Die 3D-druckbare Formulierung von GEOBRIS TERRA
GEOBRIS POLY (Zustand I), 2025
Material, das in Zusammenarbeit mit dem MERGE-Cluster an der Technischen Universität Chemnitz entwickelt wurde. Gefördert durch die FUNKEN-Akademie (Freistaat Sachsen)
GEOBRIS POLYFORM (ZUSTAND III)
Present Collective II: Umbrüche. Impulse aus Mitteldeutschland
Photo Credits: Gustav Franz
Eine Ausstellung der VNGart, Mai 2026. Ausgangspunkt ist dabei selbst ein Zeugnis des Umbruchs: die Kunstsammlung VNGart der VNG AG (VNG). Als das erste von der Treuhandanstalt privatisierte Großunternehmen Ostdeutschlands wurde VNG zur Wendezeit neu aufgestellt. Seitdem trägt sie mit ihrer Sammlungstätigkeit zur Entwicklung der Kunstszene Mitteldeutschlands bei. In der Ausstellung treten Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Malerei und Grafik in Dialog mit Arbeiten von VNGart- Preisträgerinnen sowie eingeladenen Künstlerinnen, verbunden durch Lebens-, Arbeits- oder Bezugsorte in Mitteldeutschland.
Umbrüche prägen unser Leben. Sie markieren Übergänge von einem Zustand in einen anderen, oft verbunden mit neuen Regeln und Unsicherheiten. Manche Umbrüche führen wir bewusst herbei, andere entziehen sich unserer Kontrolle.
Nicht selten lassen sie sich erst im Rückblick als solche erkennen. Die Ausstellung widmet sich diesen Momenten des Wandels. Sie versammelt 34 künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Brüchen, Übergängen und Transformationen auseinandersetzen. „Present Collective II“ gliedert die präsentierten Werke in vier Bereiche, die Impulse für Reflexionen setzen: von Fragen nach Form und Medium über die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und der Verfasstheit von (Sozial-)Räumen bis hin zur Verhandlung der Wendezeit.
Gefördert durch FUNKEN Akademie (Freistaat Sachsen)
HYBRIS:INSTAL-2025-01-A
COMMON MATTER
Eine Ausstellung mit Yana Zschiedrich, Brigita Kasperaitė, Olena Melnyk, Taisiia Kravchenko und Corinna Marie Wolff. Entstanden aus einem einwöchigen kollaborativen Workshop gemeinsam mit MERGE an der Technischen Universität Chemnitz. Eine Initiative der FUNKEN Academy Chemnitz, kofinanziert mit öffentlichen Mitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Die Ausstellung zeigt Objekte aus GEOBRIS, einem Material aus Mehlwurmkot und biobasiertem Kunststoff. Das zunächst formbare Material härtet aus und entwickelt eine feste, zugleich fragile Struktur. Die Objekte entstanden während einer einwöchigen Zusammenarbeit zwischen Künstlerinnen, Forscherinnen und Maschinen. Im Mittelpunkt standen das Experimentieren mit dem Material, die Entwicklung neuer Formen und die Untersuchung gemeinsamer Arbeitsprozesse.
HYBRIS:OBJ-2024-01-02-A
Hyb.Obj.2024.01
Der Wurm als Maschine! Im Zeitalter der Abfallentsorgung werden zunehmend Organismen als innovative Lösung eingesetzt. Material: Alublech, Acrylglas, PLA, Styrodur, Mehlwurmkot, Maße: 42 x 20 cm
Zwei Objekte für den Denkraum Natur im Rahmen des Themenjahrs 2024 „Schätze der Zukunft“ des Futurium: Die Objekte Hyb.Obj.2024.01-02 illustrieren gemeinsam den Transformationsprozess von EPS-Dämmstoffen zum nachhaltigen Baustoff GEOBRIS. Durch die Verwendung von Mehlwürmern als transformative Werkzeuge wird das Material im Inneren der Larve umgewandelt und für den Einsatz in GEOBRIS vorbereitet.
Ein Tastobjekt aus GEOBRIS für das Futurium. Material: Asche aus Mehlwurm-Kot gebunden mit geopolymerbasiertem Bindemittel, Maße: ca. 14 x 14 cm.
Video
HYBRIS:VIDEO-2026-01
Die Amazone (Pink Moon)
Die Amazone (Pink Moon), Video Stills der KI-generierten Videoarbeit (1 Min. Loop), 2026
Die Arbeit nutzt ein KI-Tool, dessen Bildproduktion auf patriarchal geprägten Bildarchiven basiert, in denen weibliche Körper sexualisiert und normiert werden. Die Amazone verkörpert Anpassung und Widerstand gegen patriarchalen Druck. Zugleich beschäftigt sich die Arbeit mit zyklischen Kräften, in denen sich Apokalypse, Transformation und Neubeginn überlagern.
HYBRIS:DOKU-2024-01-01
Material
GEOBRIS
umfasst zwei Materiallinien GEOBRIS TERRA und GEOBRIS POLY
seit 2022
GEOBRIS ist ein spekulativer Werkstoff aus den Ausscheidungen von Mehlwürmern, die Polystyrol-Dämmstoffe (EPS/XPS) zersetzen. Je nach Anwendung wird er mit unterschiedlichen Bindemitteln kombiniert. Als wandelbares Materialsystem hinterfragt GEOBRIS den Umgang mit Ressourcen und macht die Geschichte und Verantwortung von Materialien sichtbar.
GEOBRIS TERRA (TER)
Ein experimenteller Werkstoff auf Basis von Mehlwurmkot, gebunden in Geopolymer
GEOBRIS POLY (POL)
Ein experimenteller Werkstoff auf Basis von Mehlwurmkot und biobasiertem Kunststoff.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Diese Rezeptur entstand in Zusammenarbeit mit MERGE an der TU Chemnitz und bildet die Grundlage für die Entwicklung eines eigenen GEOBRIS-Filaments. Die gezeigten Objekte sind erste Formversuche mit dem neu entwickelten Material und dokumentieren die bisherigen Ergebnisse der Zusammenarbeit.
GEOBRIS FILUMI (FI)
Extrudiertes Filament auf Basis von Mehlwurmkot und Biopolymer.
Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem MERGE Cluster der TU Chemnitz.
GEOBRIS FILUMI ist die filamentförmige Variante von GEOBRIS BASE (BIO). Durch Extrusion wird die pastöse Ausgangsmasse zu einem formstabilen Filament verarbeitet, das für additive Fertigungsverfahren eingesetzt werden kann. Die biologische Herkunft des Materials bleibt in seiner Oberflächenstruktur erkennbar. Das Filament verbindet biologische Rückstände mit biobasierten Bindemitteln und ermöglicht eine kontrollierte Verarbeitung und Schichtung.
GEOBRIS PUPA (PUP)
Spritzgegossener Formkörper auf Basis von GEOBRIS POLY.
Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem MERGE Cluster der TU Chemnitz.
GEOBRIS PUPA (PUP) ist die formgepresste Variante von GEOBRIS POLY. Das Material wird unter Druck in eine geschlossene Form gepresst und verfestigt sich darin. Im Gegensatz zur Extrusion entstehen dreidimensionale Objekte, deren Geometrie durch die Form vorgegeben ist. Druck, Temperatur und Formgebung beeinflussen dabei die Oberfläche, Dichte und Struktur des Materials. Das Verfahren ermöglicht die reproduzierbare Herstellung von Objekten aus biologischen Rückständen und biobasierten Bindemitteln.
GEOBRIS TELA (TEL)
Mineralische und textile Strukturen verbinden sich zu selbsttragenden Materialkörpern.
Die Entwicklung dieser Rezeptur wird durch ein Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.
TELA verbindet mineralische und textile Strukturen zu einem gemeinsamen Materialkörper. Jute wird mit GEOBRIS TERRA getränkt, verhärtet und bildet tragende Gewebe, Häute und Armierungen. Die Rezeptur untersucht, wie textile Strukturen Last aufnehmen, Form erzeugen und räumliche Körper hervorbringen können.
GEOBRIS SCAPUS (SCA)
Faserverstärkter Verbundwerkstoff, der pflanzliche Armierungsstrukturen integriert.
CODE: GEO-SCA-26-01-A
GEOBRIS SCAPUS kombiniert natürliche Schilfstrukturen mit einer mineralisch gebundenen GEOBRIS-Matrix. Die Pflanzenfasern dienen als Armierung, nehmen Zugkräfte auf und erhöhen die Stabilität des Materials. Das Schilf bildet dabei eine tragende Struktur innerhalb des Verbundwerkstoffs. SCAPUS untersucht den Einsatz pflanzlicher Fasern als biobasierte Verstärkung und deren Potenzial für ressourcenschonende Bauweisen.
GEOBRIS STRATA (STR)
Ein terrazzoartiger Werkstoff, der historische Veredelungsverfahren auf recyceltes GEOBRIS TERRA überträgt.
GEOBRIS STRATA entsteht durch die Wiederverwendung bereits verarbeiteter GEOBRIS TERRA-Fragmente. In Anlehnung an traditionelle Terrazzo-Verfahren werden die Materialreste erneut gegossen, geschliffen und gewachst. Dabei entstehen Oberflächen, die durch unterschiedliche Schichten und Fragmente geprägt sind. STRATA untersucht die mehrfache Nutzung von Materialien und die Wiederverwertung innerhalb des GEOBRIS-Materialsystems.
GEOBRIS TENEBRIS (TB)
Druckbare Rezeptur aus GEOBRIS TERRA
Die Entwicklung dieser Rezeptur wurde durch ein Stipendium der Artist Residency Balmoral gefördert.
GEOBRIS TENEBRIS ist eine pastöse, 3D-druckbare Variante von GEOBRIS TERRA, die speziell für den schichtweisen Materialauftrag entwickelt wurde. Der Name leitet sich vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor) ab. Die Rezeptur ermöglicht die Herstellung dreidimensionaler Strukturen durch den kontrollierten Auftrag und die Verfestigung einzelner Materialschichten.
GEOBRIS IMAGO (IMG)
Eine gießbare Rezeptur auf Basis von GEOBRIS TERRA
Die Entwicklung dieser Rezeptur wurde durch die Landesgraduiertenförderung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus sowie durch die Futurium GmbH gefördert.
GEOBRIS IMAGO ist eine feste, widerstandsfähige Rezeptur aus vollständig zersetztem Ausgangsmaterial. Der Name bezieht sich auf das letzte Stadium der Insektenmetamorphose, das Imago. Die Rezeptur steht für den abgeschlossenen biologischen Umwandlungsprozess, dessen Spuren in der Materialstruktur erhalten bleiben.
Yana Zschiedrich baut auf den ersten Versuchen des Fraunhofer IBP auf und führt sie zur erfolgreichen Rezeptur weiter. Aus zahlreichen Experimenten entsteht schließlich die Mischung GEOBRIS.
HYBRIS:MAT-2022-01-A
Die Untersuchung und Entwicklung von Hyb.Mat.2022.01 wurde durch das Fraunhofer-Netzwerk Wissenschaft, Kunst und Design (WKD) gefördert.
Analyse
Röntgenaufnahme einer Probe des Gemischs aus Mehlwurmkot und EPS-Staub.
Problemstellung: Styrodur ist der gebräuchliche Markenname für extrudiertes Polystyrol (XPS), welches als Hartschaumplatten oder als Außendämmung von Kellerwänden Verwendung findet. Das geschäumte Polystyrol mit dem Markennamen Styropor wird vorwiegend in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) eingesetzt. Jährlich werden allein in Deutschland 300.000 Tonnen Styropor produziert.
Der Bestandteil Polystyrol ist in reiner Form chemisch recycelbar. Formteile und Füllstoffe aus Verpackungen wie beispielsweise bei Elektrogeräten erfüllen die Materialreinheit. Styropor als Dämmstoff jedoch wird mit bromhaltigen Flammschutzmitteln bearbeitet, dadurch treten beim Recycling große Probleme auf. Nur ausgesuchte Müllverbrennungsanlagen mit besonderer Genehmigung dürfen Polystyrol mit Flammschutzmitteln verbrennen. Styrodur wird durch diese thermische Behandlung komplett vernichtet, jedes im Dämmstoff enthaltene Kohlenstoffatom wird dabei in ein CO₂ -Molekül umgewandelt. Daher ist diese Behandlung mit einer hohen CO₂ Freisetzung verbunden, das Material ist danach nicht mehr nutzbar. Im Rahmen von HYBRIS wird es weiterverwertet, indem das Styropor in einer anderen Form wieder in den Baustoffkreislauf zurückgeführt wird.
Zielsetzung
Wissenschaftliche Zielsetzung
Im Jahre 2015 kam in den USA die Idee auf, Polystyrol biologisch zu behandeln und mithilfe von Mehlwürmern fressen zu lassen, jedoch wurde diese Idee nie großtechnisch umgesetzt. Es blieb auch die Frage stehen, was mit den entstandenen Mehlwurm-Ausscheidungen geschehen soll.
In diesem Projekt soll nun genau diese Frage beantwortet werden. Die Mehlwürmer wandeln die bromhaltigen Styrodur-Dämmstoffe in ein unproblematisches Produkt um, für welches Anwendungen in der Bauindustrie als auch in der Kunst, z.B. als Ausgangsstoff zur Herstellung von Skulpturen gefunden werden sollen. Damit ließe sich ein Teil der Styroporabfälle die jährlich tonnenweise anfallen und bisher nur thermisch entsorgt werden dürfen, wieder sinnvollen Verwertungsmöglichkeiten zuführen. Die Styrodur-Umwandlung durch die Mehlwürmer ist sogar bei Raumtemperatur möglich, optimale Bedingungen herrschen bei einer Temperatur von 20°C und 50 % Luftfeuchtigkeit, wobei im Gegensatz zur Verbrennung von Styrodur weniger CO2 entsteht, da ein Teil des Kohlenstoffs in Biomasse gebunden wird.
Primär werden zwei Ziele verfolgt: zum einen soll eine biologische Lösung zur Aufbereitung von Styrodur-Dämmstoffen gefunden werden, dabei wird versucht die durch die Bakterien im Verdauungstrakt der Mehlwürmer entstandenen Ausscheidungen nach einer Pelletierung als granulierter Zuschlag für einen Leichtbeton zu nutzen, sodass ein neuartiger Recyclingbaustoff entsteht. Als zweites Ziel soll untersucht werden, ob die staubartigen Mehlwurm-Ausscheidungen als Füllstoff in einem zementfreien Bindemittel II, einem sog. Geopolymer dienen können.
Künstlerische Zielsetzung
Durch das Zusammenbringen von unterschiedlichen Bindemitteln und dem Kot von Mehlwürmern werden innovative Materialien erzeugt, welche als Baustoffe oder als Leichtzuschlag genutzt werden können. Mit diesen Baustoffen ist es möglich, Skulpturen zu erschaffen, die durch unterschiedliche Fertigungsprozesse geformt werden können.
Rolle des Fraunhofer IBP
Dr. Volker Thome leitet am IBP die Abteilung „Mineralische Werkstoffe und Baustoffrecycling“ und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Baustoffentwicklung. Für „Hybris“ werden von seiner Abteilung Labor- und Messzeiten für die im Projekt benötigten Geräte wie Mikro-Computer-Tomograph, Röntgenanalysen, mechanische Prüfungen und Mischer mit Pelletierteller bereitgestellt.
Potential zur Transformation bestehender gesellschaftlicher Begrenzungen
Weitblick
Wird Polystyrol-Dämmmaterial in Müllverbrennungsanlagen thermisch behandelt, werden dabei große Mengen an CO2 freigesetzt. Enthaltene bromhaltige Flammschutzmittel I werden an die Luft abgegeben und gelangen in die Umwelt. Verklebte Dämmplatten dürfen nicht verbrannt werden und müssen deponiert werden. Die Halbwertszeit von Polystyrolen beträgt allerdings ca. 5000 Jahre.
Es entsteht aus einem porösen Dämmstoff ein Baustoff mit einer höheren Druckfestigkeit als Styrodur, indem die Ausscheidungen der Mehlwürmer eingesetzt werden, die zuvor das Dämmmaterial gefressen und verwertet haben.
Es geht hier also nicht nur um die umweltfreundliche Beseitigung von problematischen Dämmplattenabfällen, sondern auch darum das Material wieder in den Baustoffkreislauf zurückzuführen.
Dabei wird unter anderem der Mehlwurmkot als Leichtzuschlag verwendet, oder als Füller um Zwickel zwischen den Gesteinskörnungen auszufüllen und als Additiv für Bindemittel, um z.B. dessen Fließeigenschaften positiv zu beeinflussen.
Wirtschaftlichkeit
Die Aufbereitung von zwei Abfallprodukten mit geringem Energieverbrauch ist eine sehr wirtschaftliche Möglichkeit recycelte Baustoffe zu generieren und gleichzeitig den anfallenden Bauschutt an polystyrolhaltigen Wärmedämmverbundsystemen zu bewältigen. Dabei werden Umwelt und Ressourcen geschont, weil große Mengen an CO2 eingespart werden, Müll verwertet statt deponiert wird und primäre Rohstoffe geschont werden können.
Meilensteine
Planerische Umsetzung
Bevor geeignete Bindemittel für das Kot-Gemisch gefunden werden können, muss die Zusammensetzung der Mehlwurm-Ausscheidungen analysiert werden.
Die Ausscheidungen werden im Labor des Instituts chemisch-mineralogisch untersucht. Die Analysen geben Aufschluss darüber, welche Bindemittel für das Vorhaben geeignet sein könnten. Mit einer größeren Menge an Mehlwurm-Ausscheidungen, welche im Atelier produziert werden, werden nach den ersten Mischversuchen mit verschiedenen Bindemitteln, unter anderem zementfreien Bindemitteln , sog. Geopolymeren, Ausscheidungen durch geeignete Pelletierung in Granulat überführt. Beide Produkte werden schließlich hinsichtlich ihrer mechanischen Eigenschaften am IBP untersucht. Auf die Analysen folgen die ersten Versuche. Geeignete Gemische werden in Form gebracht, während unterschiedliche Mischverfahren getestet werden.
Mithilfe der Röntgenaufnahme kann ein 3D Modell angefertigt werden, welches Aufschluss über seine Dichte, Struktur, Anwesenheit von Fremdkörpern, strukturelle Integrität und Qualität gibt.
HYBRIS:MAT-2020-01-A
Kotpellets entstehen als Nebenprodukt einer bildhauerischen Serie, bei der Mehlwürmer EPS-Dämmplatten durch Fraß bearbeiten. Ihre Ausscheidungen werden mit einem Bindemittel vermischt und zu Pellets geformt. Daraus entstand die Idee, die anfallenden Rückstände als Ressource zu nutzen und in den Baustoffkreislauf zurückzuführen.
Resonance
HYBRIS:TXT-2025-03
HYBRIS by Yana Zschiedrich:
Rethinking Waste into Wonder
Text von PAI_32 , eine in Großbritannien gegründete Plattform zur Förderung kritischen Denkens und künstlerischer Innovation.
PAI_32 unterstützt weltweit Künstler:innen, Kurator:innen und Sammler:innen durch Ausstellungen, Inhalte und Netzwerke.
Die Plattform engagiert sich für kreative Förderung, kritische Auseinandersetzung, Zugänglichkeit und den Aufbau eines vielfältigen Kunstökosystems.
HYBRIS, the visionary project by German artist Yana Zschiedrich, is a pioneering art-based research initiative that reimagines how we perceive waste, architecture, and ecological resilience. Since 2019, Zschiedrich has been exploring how swarms of mealworms can decompose polystyrene insulation panels—consumed wholeheartedly by these insects—turning them into biodegradable matter.
“Why does the sun go on shining?
Why do birds go on singing?
Because they know it isn’t
the end of the world.“ 1
In HYBRIS, mealworms inhabit a controlled incubator-like environment, where their only task is to eat and excrete plastic. Their droppings—a “biodegradable product of mealworm metabolic activity”—are collected and analysed scientifically. Remarkably, these castings are free from the toxic residues initially present in the polystyrene, transforming hazardous waste into a cleaner, organic substance.
This cast worm biosolid is then treated in collaboration with the Fraunhofer Institute for Building Physics to develop Geobris, a geopolymer composite as durable as concrete yet environmentally friendly. Zschiedrich has even adapted it for 3D printing, producing architectural forms that demonstrate how art and ecology can coexist in innovative material practice.
HYBRIS isn’t just technical—it’s deeply philosophical. Zschiedrich highlights the fragility of her ecosystem: if conditions shift—temperature drops or humidity changes—the worms stop processing the polystyrene, and the artistic outcome varies significantly. “The artist is challenged to do justice to each individual mealworm, as well as to the swarm as a whole,” reads the project documentation—revealing nature’s unpredictability and the shifting power dynamics within collective systems.
Conceptually, the piece engages with themes such as anthropocentrism, ecofeminism, and technological hybridity—drawing inspiration from thinkers like Donna Haraway. HYBRIS positions itself not as an ecological solution alone, but as a space of shared creation, reflecting on humanity’s embeddedness in natural cycles.
HYBRIS offers more than spectacle—it invites us to reconsider the value of waste and the potential of generative collaboration between humans, technology, and non-human actors. It challenges the traditional boundaries of art, architecture, and science by embedding ethical inquiry, material research, and ecological responsibility into its core.
For anyone curious about the future of sustainable innovation and the role of art in addressing climate crisis, HYBRIS is an essential case study. Zschiedrich reminds us that creating a sustainable future may begin with humble worms—and a vision bold enough to let them lead.
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1Titel der Rauminstallation HYBRIS von Yana Zschiedrich, gezeigt im Rahmen des M24-Festivals im September 2024 in der Technesphäre (Kirow-Werke Leipzig, Germany).
HYBRIS:PUB-2025-02
HYBRIS:TXT-2023-01
Ein großes Bild:
die Masse, der Schwarm,
die Anlage und die
Schöpferin
Die Installation HYBRIS von Yana Zschiedrich
Text von Joachim Blank, geboren 1963 in Aachen, lebt als bildender Künstler in Berlin. Seit 2003 lehrt er als Professor für Medienkunst an der HGB Leipzig.
Bildhauerei in ihrer Urform geht immer vom Ganzen aus, nimmt weg, reduziert. Die Mehlwürmer in der Installation HYBRIS arbeiten ebenfalls subtraktiv. Yana Zschiedrich arbeitet additiv: sie fügt Apparaturen, diverse Materialien mit Mehlwürmern zu einer Installation - ich nenne es Anlage - zusammen. In diesem Setting schaffen beide sowohl die Mehlwürmer als auch die Künstlerin unterschiedliche Bilder, die sich zu einem Größerem zusammenfügen.
Abstrakt gesehen, verstehe ich hier ein Bild als etwas, in dem oder durch das wir etwas identifizieren (erkennen) können. Das, was wir glauben zu erkennen, muss nicht zwangsläufig im Bild abgebildet sein. Generell: In Bildern etwas zu erkennen, was nicht abgebildet ist und das Abwesende als Bedeutung auszumachen, ist ein Wesensmerkmal der menschlichen Kognition. Uns wahrnehmenden Menschen genau solche Erfahrungen zu ermöglichen, verdanken wir den visuellen Künsten. Die herausragende Bedeutung von Bildern als eine Kulturtechnik ist, dass im Bild auch ein weiteres und darin wieder und wieder ein Bild enthalten sein kann, welches von uns gedeutet werden kann. In dieser spezifischen Form ist das eine zutiefst menschliche Vorstellungskraft, reale und fiktionale Wahrheiten zu verknüpfen und zwar so, dass wir das mit anderen Menschen, aber wohl kaum mit anderen Lebewesen teilen können. Offenbar gibt es mindestens so viele Wirklichkeiten, wie es Spezies gibt.
Wie erleben wohl Mehlwürmer als Larven des Mehlkäfers ihre Wirklichkeit? Mehlwürmer sind Würmer, die sich offenbar gerne in Mehl aufhalten, also auch in Nudeln, Keksen und anderen Backwaren. Auch gelten sie als gesunde Proteinquelle und werden zunehmend zu einem menschlichen Nahrungsmittel und sind in der EU mittlerweile als Speiseinsekt zugelassen. Dass Mehlwürmer auch Styrodur mögen, ist erst in letzter Zeit wissenschaftlich erforscht worden. Wie alle anderen Lebewesen transformieren sie etwas Vorhandenes in etwas anderes: Denn auch sie haben einen Stoffwechsel und reproduzieren sich. Bei HYBRIS fressen sie etwas „Schlechtes“ und scheiden etwas „Gutes“ aus: Nicht biologisch abbaubares Styrodur (flammengeschütztes Polystyrol) verwandeln sie in einwandfreien, biologisch abbaubaren Kot. Hatten das die Metabolisten der japanischen Architekturavantgarde Ende der Fünfzigerjahre auch schon im Sinn, als sie den Begriff shinchintaisha als Symbol für den essenziellen Austausch von Material und Energie zwischen Organismus und Außenwelt verwendeten? Folgen nun auf die Architekturutopien der schwimmenden Häuser und Kapselhochhäuser im urbanen Maßstab nun Architekturen mit Fassaden aus Mehlwurmexkrementen?
Die Verwendung von Exkrementen und ihr künstlerischer Mehrwert hatte bereits Piero Manzoni 1961 mit merda d’artista gezeigt, in dem er den kürzesten Weg wählte und seine eigenen Exkremente als Künstlerscheiße in neunzig Dosen konservierte, nummerierte und verkaufte. Dreißig Gramm Kot hatte er anfangs für 30 Gramm Gold verkauft. Der Preis hat sich bis heute gesteigert. Kot kann als Kunst hochwertige Ware werden und nicht nur als Dünger.
Aber kann die Herstellung von Kot sowie der Kot selbst in demselben Kontext auch Kunst sein und dann noch ein angesichts der fortgeschrittenen Klimakrise ein globales, eklatantes Umweltproblem lösen? Genau da und nicht weniger setzt HYBRIS von Yana Zschiedrich an.
Aber zunächst … die Ausscheidungen – der Kot, die Exkremente – sie enthalten keinerlei Giftstoffe mehr und sind biologisch einwandfrei abbaubar. Der Kompost ist also gesünder als das, was ihn erzeugt hat? Kann anorganisches Material überhaupt organisch werden? Funktioniert das auch bei Mikroplastik? Ja, auch hier gibt es Hinweise darauf, dass Einzeller-Bakterien künstliche Stoffe offenbar leichter verstoffwechseln als natürliche organische Substanzen, wie zum Beispiel abgestorbenes Pflanzenmaterial.1
In Yana Zschiedrichs Installation und künstlerischem Forschungsprojekt werden Schwärme von Mehlwürmern in einer eigens für sie optimierten Zuchtanlage, in einer geschlossenen Welt gehalten. Hier wird nur gefressen, um zu verdauen und auszuscheiden. Mit der Perfektion einer Maschine erfüllt der Mehlwurmschwarm diese Aufgabe. Und dabei werden Styrodurreliefs produziert, deren Formen die Künstlerin vorgegeben hat und die an griechische Marmorplatten erinnern. Soweit so gut - die Masse folgt zwar hungrig, aber doch nicht bedingungslos. Die Produktion funktioniert nur so lange, wie die Lebensbedingungen optimal sind. Sind sie das nicht, entstehen Abweichungen, die durchaus ihren formalen Reiz haben. Wir nennen diese „Happy Accidents“, jedoch bei größeren Fehlern wie kontinuierlichem Absinken der Raumtemperatur - stockt die Masse. Sie wird träge und stoppt die Produktion! Die Künstlerin ist gefordert, jedem einzelnen Mehlwurm, aber auch dem Schwarm als Masse gerecht zu werden. Die Machtverhältnisse verschieben sich ganz nach den von Elias Canetti in Masse und Macht2
beschriebenen Eigenschaften von „Masse“. Die penible Aufrechterhaltung optimaler Bedingungen bedeutet für Yana Zschiedrich gegen das künstlerische Scheitern zu arbeiten.
Die funktionalen Einheiten der Anlage vermischen sich also immer mit den Bedingungen und den Handlungen der Mehlwürmer und der Künstlerin als eine Art Zeugnis der Gesamtbilanz. Das Gesamtsystem ist nie eindeutig, nie konstant, bleibt fragil, weil die sich verändernden Parameter es immer zwischen Kipppunkten pegeln lassen. Die Mehlwürmer bei HYBRIS reagieren höchst sensibel auf ihre Lebensbedingungen und entsprechend ergebnisoffen sind auch die Bilder, die sie ausfressen. Die Anlage ist die Welt der Mehlwürmer. Auch Künstler*innen reagieren wie Seismographen auf Veränderungen ihrer Welt.
Yana Zschiedrichs Mehlwürmer verstehen die Bedeutung der vorgegebenen Pfade, die sie aus dem Styrodur ausfressen, sicherlich nicht. Denn sie verfügen über andere Sinnfelder3
als wir Menschen – sie können unsere Bilder nicht interpretieren. Das muss aber nicht bedeuten, dass sie nichts empfinden, sondern sie empfinden vermutlich etwas in ihrem Sinnfeld. Wir kennen dies nicht und verstehen nichts. Für die Mehlwürmer ist das sicher auch nicht relevant. Sie wissen nicht, was sie für uns tun, aber sie tun es offenbar gerne für sich: auf Basis ihres evolutionär angelegten Selbsterhaltungstriebs. Aber lassen sich nicht genau hier Parallelen zum Kunstmachen finden, immer dann, wenn wir Künstler*innen beim Kunstmachen eine intrinsische Motivation unterstellen? Kunstmachen als eine Praxis, die sich nicht rechtfertigen muss, sondern einfach vollzogen wird, weil es den Drang gibt, es aus innerem Antrieb machen zu wollen?
Alle Elemente der Anlage wie Eimer, Maschinen, Wasserdampf, Farbgebung und Beleuchtung der Installation, die Auswahl der Bildvorlagen, die als Einschreibungen in die Styrodurplatten vollzogen werden, die vielen Materialtransformationen, das „Nebeneinander“ und „Zusammenspiel“ zwischen Mehlwürmern, Bedeutungen und dem Wollen der Künstlerin – all das führt zur Verschachtelung unterschiedlichster Perspektiven auf HYBRIS und kann als eine vielstimmige Komposition – als ein vielfaches Bild gelesen werden.
Yana Zschiedrich führt mit ihrer drängenden Forderung nach einer naturnahen Materialwelt einerseits und mit ihrer künstlerisch-ästhetischen Praxis andererseits erweiterte Methoden der Beteiligung ein. Als Anwendungsforscherin experimentiert sie mit quasiwissenschaftlichen Methoden, aber als Künstlerin und Architektin kann sie nicht objektiv bleiben. Sie bleibt ebenso wie die Mehlwürmer, eines von vielen mitgestaltenden Subjekten. Sie ist nicht außenstehende Schöpferin. Sie ist nicht Beobachterin dritter Ordnung – sie ist zwar auch nicht Mehlwurm, aber irgendwie trotzdem mittendrin – ein Teil des Schwarms, der Masse und der Anlage.
Mit HYBRIS wird auf den ersten Blick eher nebenläufig und unaufgeregt, aber dennoch beharrlich die Relevanz von bildender Kunst und ihrer Methoden in einem forschenden und wissenschaftsnahen Umfeld befragt. Neben dem tiefen Wunsch, ein Umweltproblem lösen zu wollen, geht es hier um eine ästhetische Praxis, der fast alles untergeordnet ist: Entwurf, Auswahl, Setzung und Vermittlung der Apparaturen und als Kontrast die Masse der organischen Würmer sind in ihrer Auswahl nicht ausschließlich funktionalen Aspekten unterworfen. Die gesamte Erscheinung der Anlage wird von Yana Zschiedrich in jeder neuen Version als ein Bild komponiert – funktionale Notwendigkeiten mischen sich mit gezielten ästhetischen Setzungen, die ihrerseits subtile Wirkungsmacht im funktionalen Gesamtsystem entfalten. Die Anlage selbst und die Perspektiven der Meta-Ebene des Gesamtprojekts führen zu einem „Mehr“ als nur in der „In-Der-Welt-Sein“: Zu einem Bekenntnis zum „Involviertsein-In-Der Welt“. Es findet hier eine spezifische Mischform von Erkenntnisproduktion statt. Sie kann sicher auch wissenschaftliche Relevanz haben, die aber Teil einer künstlerischen Arbeit bleibt.
Die Vermischung von funktionalen, ästhetischen, wissenschaftlichen und quasiwissenschaftlichen Elementen zu einer Metaebene formuliert das größere Bild HYBRIS als ein komplexes Projekt, in dem es immer wieder neues zu entdecken gibt, wie bei einem guten Bild. Und selbst wenn die Versuchsanordnung Hybris gelingen sollte und kein giftiges Styrodur mehr produziert werden müsste, was würden die Mehlwürmer dann zu fressen bekommen, um ihre gesunden Ausscheidungen zu produzieren?
Die Natur ist zwar generell die Schöpferin aller Dinge, aber die Seele gilt als Schöpferin allen Ausdrucks. Das Ding und der Ausdruck gehören immer irgendwie zusammen. Und da sind wir wieder beim großen Bild: HYBRIS.
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2Elias Canetti: Masse und Macht. Carl Hanser Verlag, 1960. 1. Die Masse will immer wachsen. 2. Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit. 3. Die Masse liebt Dichte. 4. Die Masse braucht eine Richtung.
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3Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt; Ullstein Verlag, 2013.
APPLIED
Eine soziale und materielle Studie.
Das Projekt untersucht Kooperation, Schwarmintelligenz und die Alltagstauglichkeit von GEOBRIS. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen, Menschen und mehr-als-menschlichen Akteuren. Dabei entstehen gemeinsame und individuelle Objekte sowie erste Anwendungsversuche, die mögliche Einsatzbereiche des Materials im Alltag aufzeigen.
GEOBRIS:WS-2025-01-A
COMMON MATTER
Im Rahmen eines einwöchigen Workshops wurden die Teilnehmerinnen aktiv in den Entwicklungsprozess der GEOBRIS-Formulierung eingebunden – einem innovativen Material auf Basis von Biokunststoff und Mehlwurm-Dung. Brigita Kasperaitė, Corinna Wolff, Taisiia Kravchenko und Olena Melnyk haben das Material durch künstlerisch-experimentelles Arbeiten untersucht, reflektiert und weiterentwickelt. Die Maßnahme wurde von der FUNKEN-Akademie initiiert und mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts mitfinanziert. Vom MERGE-Team begleiteten folgende Personen den Workshop:
Dr.-Ing. Camilo Zopp, Dipl.-Ing. Frank Schubert, Katharina Götz, M.Sc., Philipp Zehrtner, Henry Korb, Dr. rer. nat. Barbara Meier, Dr. rer. nat. Susann Anders, Dipl.-Chem. Katja Böttcher und Dipl.-Ing. Knut Morgenstern.
Ein einwöchiger Workshop in Kooperation mit MERGE (TU Chemnitz) und FUNKEN-Akademie.
Gemeinsam mit Künstler:innen und Wissenschaftler:innen wurde eine neue GEOBRIS-Formulierung erprobt – ein bio-basierter Werkstoff auf Basis von Mehlwurmkot, kombiniert mit einem nachhaltigen Bio-Kunststoff.
Im Zentrum stand das gemeinsame Forschen und Formen: manuelle 3D-Druck-Experimente mit dem neu entwickelten Filament, materialtechnische Erkundungen, ästhetische Proben – begleitet von Fragen zu Ethik, Ökologie und Kooperation.
Ein kollektiver Versuch, Materialentwicklung als soziales, ökologisches und gestalterisches Feld zu denken.
GEOBRIS : CIRCULATION
Dieses Materialsystem befindet sich aktuell in Entwicklung.